
Der Islam ist seit nahezu 800 Jahren in China beheimatet. Erste Kontakte mit dem Islam kamen indes schon viel früher zustande. Islamische Händler reisten ab dem 7. Jahrhundert über die Seidenstraße und den indischen Ozean ins Reich der Mitte.
Dauerhaft etablieren konnte sich der Islam aber erst während der Mongolenherrschaft im 13. und 14. Jahrhundert. Das Verhältnis zwischen Muslimen und den chinesischen Herrschern sollte sich jedoch als äußerst wechselhaft herausstellen. Während einige Herrscher den Zuzug von Muslimen förderten, unterdrückten andere die Muslime brutal. Allein während der Ching-Dynastie (1644 – 1911) wurden fünf Kriege gegen die Muslime im eigenen Land geführt.
Im Verlauf der chinesischen Kulturrevolution kam es zur weitaus härtesten Unterdrückung des Islam in China. Unter Maos Motto "Zerstört die alte Welt und errichtet eine neue" wurde der Islam, wie alle anderen Religionen, brutal unterdrückt. In dieser Zeit wurden fast alle Moscheen und islamischen Einrichtungen zerstört oder geschändet sowie die gesamte Geistlichkeit ausgeschaltet.
Die Situation hat sich mittlerweile stark verändert. Beobachtern zufolge erlebt der Islam in China eine bescheidene Renaissance. Angaben zur Anzahl der Muslime in China schwanken jedoch stark, da keine verlässlichen Statistiken vorhanden sind. Die Schätzungen gehen von 20 bis 130 Millionen Muslimen aus, ein Großteil von ihnen lebt im Westen Chinas. Die Anzahl der Moscheen schätzt man derzeit auf rund 30.000.
Zwei große Volksgruppen bekennen sich in China zum Islam: Die in der Provinz Xinjiang lebenden Uiguren und die im ganzen Land verteilten Hui. Die Uiguren sind ethnisch gesehen keine Chinesen, sonder gehören zu den Turkvölkern. Die Hui hingegen werden ethnisch und linguistisch den Han-Chinesen zugeordnet, unterscheiden sich von ihnen aber durch die Religion.
Ein Konfliktherd sind die Unabhängigkeitsbestrebungen der muslimischen Uiguren im Nordwesten des Landes. Da die chinesische Regierung ein Übergreifen der separatistischen Bewegungen auf andere Provinzen befürchtet, geht sie mit harter Hand gegen die Rebellen vor. Im Zuge des Krieges gegen den Terror versucht Peking zudem, den muslimischen Rebellen eine Verbindung zum internationalen Terrorismus nachzuweisen.
Trotzdem haben die Muslime in China heute das Recht, ihre Religion frei auszuüben. Auch wenn der Staat auf seiner Kontrollfunktion besteht - die Ausbildung zum Imam kann nur von staatlich anerkannten Schulen durchgeführt werden -, hindert er die Muslime indes nicht an der Ausübung ihrer Religion.
Nachdem die Muslime in China über einen langen Zeitraum von der Weltöffentlichkeit kaum wahrgenommen wurden, erkennt man nun ihre die Bedeutung im Spannungsfeld globaler Politik. Die Entwicklung des Islam in China, das derzeit politisch wie ökonomisch eine atemberaubende Entwicklung durchmacht, wird in Zukunft für die globale Gemeinschaft von großem Interesse sein.
Sean Gallagher / Ingmar Kreisl
© Qantara.de 2006
Zur Person:
Sean Gallagher ist freier Fotojournalist und lebt in Großbritannien. Zuletzt hat er über soziale Probleme in Asien mit einer Spezialisierung auf China gearbeitet. Gallagher hat lange in Japan, Brasilien, Neuseeland und den Arabischen Emiraten gelebt, seine Auftraggeber sind unter anderem BBC News Online, Time Out Guides und das TNT Travel Magazine.
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