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LESERBRIEFE 2004
Cornelia Lorenzen, 30. November 2004

zu: Das Kopftuch als Ersatzdiskurs, von Raida Chbib

Sehr geehrte Leser und Leserinnen,

leider wird das Kopftuch als Symbol der Unterdrückung der Frauen angesehen, da viele muslimische Männer patriarchalische Vorstellungen kultivieren und diese generell auf Frauen übertragen möchten. Ich möchte als Frau auch von einem muslimischen Mann mit Respekt behandelt werden, auch wenn ich kein Kopftuch trage. Ich lehne die Bevormundung durch den Mann ab.

mit freundlichen Grüßen

Cornelia Lorenzen
Ruth Habermehl, 22. November 2004

zu Entgrenztes Entsetzen, von Eberhard Seidel

Sehr geehrter Herr Seidel,

ich freue mich über Ihren Artikel und teile Ihre Ansicht. Auch ich finde die Darstellungen von Muslimen in Deutschland in den Medien erschreckend, auch wenn sicherlich immer wieder zu Einzelpunkten Kritik notwendig ist.

Vielen Dank für Ihre Äußerungen
Liebe Grüße

Ruth Habermehl
Raida Chbib, 21. November 2004

zu Entgrenztes Entsetzen, von Eberhard Seidel

Sehr geehrter Herr Seidel,

Sie bringen die Eindrücke der betroffenen Muslime in Bezug auf den Umgang der Medien mit dem Thema Integration von Muslimen in ihrem Artikel auf den Punkt. Mich hat der Umgang von "seriösen Medien" mit diesem brisanten Thema, darunter meiner favorisierten Wochenzeitung "Die Zeit", die sich ja vordergründig an die Intellektuellen unserer Gesellschaft richtet, sehr verstört und enttäuscht.

Anstatt in dieser schwierigen Situation zu Besonnenheit und Differenziertheit aufzurufen, beteiligt man sich an eine Stimmungsmache, deren negative Konsequenzen für das friedliche gesellschaftliche Zusammenleben immer stärker zu spüren sind.

Ein großes Unbehagen macht sich breit. Wohin soll das führen? Die Millionen Muslime, die mittlerweile hier leben und deren deutsche Kinder werden nicht weniger und sie können auch nicht mit der strengsten Sicherheitspolitik entfernt werden; auch nicht die frommen oder "fundamentalistischen" unter ihnen.

Durch die Debatte wird das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Abstammungen und Weltanschauungen innerhalb Deutschlands schwieriger. Radikale und extremistische Elemente aller Seiten werden in ihrer Anziehungskraft und in ihrem (Un-)Tatendrang gestärkt. Feindseligkeiten und Misstrauen nehmen innerhalb der "normalen" Bevölkerung stetig zu.

Unsere Politiker und Medien tragen eine riesige Verantwortung. Es ist schade, dass sie das eigentlich große Ziel ihrer Arbeit in einer solch prekären Situation aus den Augen verlieren und teils blindwütig ihre eigenen Stimmungen und Einstellungen in den gesellschaftlichen Meinungsbildungsprozess hineintragen und damit sehr viel Porzellan zerbrechen.

Raida Chbib
Mathias Rösel, 21. November 2004

zu Kein Grund zur Panik, von Peter Philipp

Sehr geehrte Damen und Herren,

"verletzte Gefühle gläubiger Muslime" wurden auch schon bei Salman Rushdis "Satanischen Versen" zitiert und führten zu dem unsäglichen "Gutachten" (international gültiger Mordaufruf) des Ajatollah Khomeni. Ich bitte Sie, wo sind wir denn?!? Gefühle sind doch wohl Privatsache. In Deutschland ist der Blasphemieparagraph abgeschafft, in den Niederlanden anscheinend auch. Erwachsene Menschen können vermeiden, dass ihre Gefühle verletzt werden, indem sie sich verletzende Darstellungen nicht ansehen oder anhören.

Viele Grüße

Mathias Rösel
Regina Keil-Sagawe, 17. November 2004

zu Malek Alloula - Blick in den Harem, von Amin Farzanefar

Ich freue mich, dass Malek Alloula hierzulande endlich einmal gewürdigt wird. Als Dichter ist er übrigens auch noch zu entdecken. Und als Autor eines bezaubernden, kleinen, kulinarisch-literarischen algerischen Erinnerungsbuchs: Les festins de l'Exil. (Paris: Francoise Truffaut, 2003).

Ich möchte darauf hinweisen, dass längst eine wunderschöne, bibliophile deutsche Ausgabe des "Colonial Harem" existiert: Unter dem Titel "Haremsphantasien. Aus dem Postkartenalbum der Kolonialzeit" erschien der Band 1994 im Freiburger Verlag Beck & Glückler. Aus dem Französischen übersetzt von Stephan Egghart. ISBN: 3-89470-109-9

Es könnte freilich sein, dass der Band inzwischen vergriffen ist, da der Verlag nicht mehr existiert.

Regina Keil-Sagawe
Detlef Kulschewski, 25. Oktober 2004

zu: Westafrika stirbt - Europa schläft, von Franz Alt

An die Redaktion,

verfolgt man heute die Diskussionen über die so genannte Dritte Welt, ihre Miseren, ihre Probleme, so sind unsere Meinungsdeuter aus Politik, Kirchen und Verbänden meist mit einer Erklärung fix bei der Hand. Die globale Ausbeutung der armen Länder des Südens durch den reichen Norden sei schuld.

Es wird nach dem Muster geurteilt, "wer Hunger und Armut sät, erntet Gewalt". Frau Roy klagt an, dass die Industrienationen die armen Länder auffressen, und Johannes Rau mahnt, endlich eine "gerechte Weltordnung" zu schaffen. So hat man den Eindruck, internationale Sozialhilfe kann die Gewalt und die Missstände beseitigen.

Doch keiner der so Beflissenen hält es für nötig, Wirtschaftsstatistiken dafür anzuführen, dass die Länder des Nordens auf Kosten des armen Südens prosperieren. Die Ausbeutung der Entwicklungsländer wird einfach als gegeben vorausgesetzt, um dann auf dieser scheinbar gesicherten Grundlage weiter agieren zu können.

Alle wirtschaftlichen Eckdaten sprechen dagegen. Die ärmsten Länder haben die geringsten Import- und Export-Beziehungen zur westlichen Welt. Die Länder, die sich modernisieren und öffnen, steigen auf, die anderen, die in ihrer Erstarrung verharren und sich durch staatliche Wirtschaftslenkung vor "kapitalistischer Ausbeutung" zu schützen versuchen, bleiben arm und rückständig.

Man kann schon sagen, dass dort ein aggressiver Unwillen herrscht, sich mit Neuerungen zu beschäftigen, eine Glaubens- oder kulturellbedingte Fortschrittsverweigerung ist zu beobachten. Die Armut hat andere Ursachen: eine räuberische Elite (die nebenbei auch noch mit kriminellen Unternehmen und Organisationen paktiert), die den Staat als ihren Privatbesitz betrachtet, religiöse Strukturen, die jede Entwicklung verhindern, wie in den islamischen Ländern.

Diese Eliten werden auch noch hofiert, sozusagen als Menschheitsbefreier, besonders hier im Westen, meistens von Sozial-Romantikern und politischen Tagträumern. Man denke nur an Mugabe, Nujoma und andere illustre Menschheitsbeglücker.

Dipl.-Ing.(FH) Detlef Kulschewski
Erna Subklew, 14. Oktober 2004

Liebe Redaktion,

als Frau, die einen Teil ihrer Jugend in der Türkei verbracht hat und auch später sehr engen Kontakt zu Türken hatte und hat , möchte ich mich sehr herzlich für die vielen Informationen bedanken, die ich über die Türkei und überhaupt den muslimisch geprägten Teil der Welt erhalte. Ich wünsche Ihnen auch weiterhin viel Erfolg und hoffe, dass Sie durch Ihre Informationen dazu beitragen, dass das Miteinander in Deutschland etwas durchsichtiger und erfolgreicher wird.

Freundliche Grüße

Erna Subklew
Ulrich Hanisch, 21. September 2004

zu: Wahlkampf-Theater um EU-Beitritt, von Baha Güngör

Anlässlich der rechtsradikalen Wahlerfolge des letzten Wochenendes in Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern wurde in den Medien vielfach über die Ursachen von Populismus und Wahlprotest diskutiert. Eine wesentliche Ursache ist die viel zu oft fehlende Authentizität und Glaubwürdigkeit der politischen Klasse.

In Hinblick auf Authentizität und Glaubwürdigkeit steht das aktuelle Wahlkampfmanöver der Union in einer Reihe mit dem unsäglichen Persilschein von Kanzler Schröder, die Wahlen in Tschetschenien seien demokratisch geführt worden, es steht in einer Reihe mit der Verlogenheit, mit der US-amerikanische Kriegsveteranen den mehrfach ausgezeichneten Präsidentschaftskandidaten Kerry zu diskreditieren versuchen, es steht in einer Reihe mit der kindischen Ambivalenz des amtierenden Präsidenten Bush, der in seinen Reden gegen den islamistischen Extremismus wettert, um dann seine Reden mit Gottes Segen zu beenden.

Die größte Gefahr für die Demokratie geht nicht aus vom Islamismus oder von weltweiter Rezession, sondern von der Unfähigkeit unserer eigenen politischen Klasse. Rechthaberei statt Rechtschaffenheit, Verdummung statt Aufklärung, Stimmungsmache statt Humanismus, Ambivalenz statt Konsequenz: das sind die Zutaten, die unser demokratisches Selbstverständnis entkernen und die als Bumerang die Demokratie bedrohen.

In einer ganzheitlichen Bilanzierung ergeben sich interessante Gegensatzpaare, die einander bedingen: übergewichtige Fastfood-Kinder und ihren Körper aufgebende Selbstmordattentäter, der Lobbyismus multinationaler Konzerne und die subjektive Ohnmacht der islamischen Dritten Welt, ein antichristliches God Save America und ein entarteter Djihad...

In diesem Dickicht ist mir Ankara näher als Washington. Das gesetzliche Verbot des Ehebruchs ist salopp interpretiert eine Skurrilität, ernst genommen ist es zutiefst christlich. Aber ob ein deutscher Tourist, der in Istanbul die Ehefrau seines Hoteliers beischläft, anschließend wirklich gesteinigt wird, sollte man vielleicht erst einmal abwarten.

Vielleicht schafft es die Christdemokratische Union ja noch, die Kirche im Dorf zu lassen.

Mit freundlichen Grüssen –

Ulrich Hanisch
Gregor Hackebucht, 17. September 2004

Sehr geehrte Redaktion,

zunächst einmal möchte ich mich herzlich für die interessanten Artikel bedanken, die man auf Ihrer Seite findet. Es ist schön, über Diskurse und Entwicklungen in der muselmanischen Welt zu lesen, die sonst vom Nahost-Krieg überlagert oder von schlagzeilenträchtigeren Fundamentalisten verdrängt werden.

Dann möchte ich meinem Wunsch Ausdruck verleihen, auch etwas über Muselmanen in ganz anderen Ländern zu erfahren:

Wie denken Muselmanen in den USA? Wie sind sie organisiert? Wie ist die Entwicklung in den Gebieten der früheren Sowjetunion? Ich habe gehört, dass die Menschen dort die Religion anders behandeln als in den arabischen Ländern. Auch soll es Muslime in China geben: Wie ist deren Perspektive auf die Entwicklung in der islamischen Welt?

Ich finde es wunderbar, dass Sie Ihre Seite in die verschiedenen Sprachen übersetzen. Anhand der Fotos kann man sich gut orientieren: Was ist ebenfalls bei "den anderen" erschienen, was nicht? Bestimmt würde es auch die arabischen Leser interessieren, wie ihre Glaubensbrüder und -schwestern in geographisch weit entfernten Regionen und staatlich anders organisierten Systemen die Welt sehen und vielleicht kann es dazu beitragen, alternative Ideen zur Lösung der dortigen Probleme zu verbreiten. Denn das, was uns in den Medien vermittelt wird (Krieg, Terrorismus, Hasspredigten) kann ja wohl nicht dem Alltag von Muslimen in z.B. Argentinien, Australien, etc. entsprechen. Aber haben Menschen in der arabischen Welt überhaupt die Möglichkeit, sich ein anderes Bild zu machen, als das, was ihnen die auf Krieg in Nahost fokussierenden Medien vermitteln?

Herzliche Grüße

Gregor Hackebucht
Donata Kinzelbach, 8. Juli 2004

zu: Ausprobieren gefragt, von Stefan Weidner

Zweifellos machen sich der Lenos Verlag und ganz besonders der Unionsverlag um die Literatur der arabischen Welt verdient. Wenn Sie meinen Verlag aber derart aussparen, möchte ich der Fairness halber darauf hinweisen, dass mein Verlag seit fast 20 Jahren auf die arabische Welt spezialisiert ist und derzeit 57 Titel lieferbar sind, 3 weitere sind noch in Vorbereitung für die Buchmesse 2004. Und was die Qualität anbelangt, so muss ich mich mit Autoren wie Boudjedra, Khaïr-Eddine, Memmi, Dib, Chraïbi usw. nun wirklich nicht verstecken (und Sie mich auch nicht).

Donata Kinzelbach

Verlag Donata Kinzelbach
Lesen Sie auch das Interview mit Donata Kinzelbach auf Qantara.de: "Maghrebiner sind immer im Exil"
Petra Dünges, 3. Juli 2004

zu: Ausprobieren gefragt, von Stefan Weidner

Sehr geehrter Herr Weidner,

Sie schrieben in Ihrem sehr interessanten Überblick "Ausprobieren gefragt": "Nagib Machfus schließlich wird durch die Aufnahme in die Bibliothek Suhrkamp geadelt. Hier erscheint eine Neuauflage seines lange vergriffenen Klassikers "Das Hausboot am Nil."

Dieser Klassiker des ägyptischen Nobelpreisträgers ist nicht seit langem vergriffen, sondern seit langem, nämlich seit 1982, lieferbar und zwar bei dem auf Literatur aus dem Orient spezialisierten Verlag "Edition Orient", Berlin. Man muss aber beachten, dass auf dem Umschlag dort der Name "Mahfuz" und nicht "Machfus" geschrieben wird.

Diese Ausgabe ist leider nicht einfach aufzufinden: bei einigen online-Buchhändlern findet man sie nur unter "Mahfus", bei anderen nur unter "Mahfuz" - das sind die Tücken der Transkription des Arabischen ins Deutschen bzw. der online-Buchhandlungen. Da ist also "Ausprobieren gefragt"!

Mit freundlichen Grüßen

Petra Dünges
Übersetzungen aus dem Arabischen
Enrique Sánchez, 17. Juni 2004

zu: Briefwechsel Charlotte Wiedemann - Ghazala Irfan

Liebe Frau Wiedemann

Ihren Brief habe ich mit viel Interesse gelesen, obwohl und auch weil er hauptsächlich aus Beschreibungen besteht - plus die anschließende, wesentliche Frage: "Aber welches Pakistan-Bild wäre zutreffend? Wohin entwickelt sich Ihre Gesellschaft, deren Widersprüche sich in der Situation der Frauen ja nur am auffälligsten spiegeln?". Obwohl - weil ich mir eine Interpretation, eine kleine Zukunftsvision, eine kleine geschichtliche Erklärung wünschte und auch erwartete. Weil - da ich Pakistan nicht kenne und solche Berichte mir eine Hilfe sind.

Ein zutreffendes Pakistan-Bild? Das Bild eines Landes ist immer komplex - außer wir lassen wichtige Bereiche außerhalb des Bildes. So wird jedes Bild Widersprüche enthalten. Sie selber entwerfen ein Bild Pakistans in Ihrem Brief. Daran können wir anknüpfen, denken, arbeiten. Unsere Aufgabe ist, die schmerzhaften Widersprüche zu mildern.

Die Widersprüche sind überall auf der Welt vorhanden, nur sind sie da größer, dort kleiner - in unserer individuellen Wahrnehmung. Zuerst sollten wir unsere individuelle Wahrnehmung im Dialog prüfen und versuchen, gemeinsame Wahrnehmungen der äußerlichen Tatsachen zu finden. Dann sollten wir damit fortfahren, gemeinsame Erklärungen und gemeinsame Zukunftsvisionen zu entwickeln und diese so einfach und prägnant wie uns nur möglich zu formulieren und so breit wie möglich zu streuen, damit möglichst viele einzelne Menschen, kleine und große Vereine, Organisationen, etc. an einem öffentlichen Dialog teilnehmen.

Ich bin sehr gespannt auf die Entwicklung Ihres Briefwechsels mit Ghazala Irfan.

Freundliche Grüße aus Zürich

Enrique Sánchez
Dieter Kulschewski, 11. Juni 2004

zu: Europa darf die Türkei nicht abweisen, von Baha Güngör

Die Türkei ist kein Teil Europas, ca. 95 % des Staatsgebietes liegt in Asien. Kultur, Mentalität und politische Strukturen sind stark islamisch geprägt und der Fundamentalismus ist im Vormarsch. Europa würde seine kulturelle Identität verlieren.

Die Türkei ist kein wirklich demokratischer Rechtsstaat nach EU-Standards. Menschenrechte werden vielfach missachtet. Bei einem türkischen EU-Beitritt droht ein "Zusammenprall der Kulturen". Schon heute ist das Zusammenleben mit Muslimen durch starke Spannungen belastet. Die Integration von Muslimen ist im Grunde gescheitert. Eine weitere Ausdehnung der EU würde den finanziellen Rahmen völlig sprengen und alle Haushalte überlasten.

Die Wahl in Zypern sollte uns doch zu denken geben. Auch hier wurde eine Vereinigung abgelehnt. Das gleiche Ergebnis ist wohl auch hier zu erwarten, trotz aller Bekundungen unserer realitätsfernen Politiker der rot-grünen Fraktion.

Mit freundlichem Gruß

Dipl.Ing.(FH) Detlef Kulschewski

Berlin
Hamid Sabbone, 21. Mai 2004

Hallo Qantara-Team,

ich wollte nur kurz das Wort ergreifen, um Dankeschön zu sagen für alle Themen, die Sie auf der Qantara-Site veröffentlichen. Ich finde alle Beiträge sehr interessant, aber auch die Gestaltung dieser Website.

Mit freundlichen Grüßen

Hamid Sabbone
Nadia El-Harchi, 21. Mai 2004

zu: Das Kopftuch als Ersatzdiskurs, von Radia Chbib

Assalamualeikum!

Ich wende mich hiermit an die Personen, die was gegen das Kopftuch haben und ein falsches Bild davon haben. Was ich klären möchte: Das Kopftuch ist weder ein politisches Symbol noch ein Zeichen für Terrorismus. Es wurde für die Frauen im Quran von Allah zum Propheten Muhammed gesagt: "Und sage den Frauen, sie sollen ihre Gewänder (das Kopftuch) über ihre Brust tragen..." Im Islam ist eine muslimische Frau verpflichtet, ihre Reize zu verdecken. Eines ihrer Reize sind ihre Haare, um Männern nicht aufzufallen. Dies wollen muslimische Frauen erreichen, nämlich ihre Religion zu vervollständigen. Deswegen finde ich es unmöglich, dass es solche Personen überhaupt gibt, die das Kopftuch nicht akzeptieren können. Wo liegt das Problem beim Kopftuch? Ich wünschte jemand könnte mir diese Fragen beantworten. Woher plötzlich dieser Sinneswandel im Kopftuchstreit?! Haben etwa muslimische Frauen etwas verbrochen, von dem die muslimischen Frauen noch nichts erfahren haben? Falls das Kopftuchverbot wirklich durchgesetzt wird kann ich nur noch fragen, wo die Demokratie und die Religionsfreiheit geblieben ist!

Mit freundlichen Grüßen

Eure Schwester im Islam
Omar Abo-Namous, 19. April 2004

zu: Blinde Solidarität, von Majid al-Khatib

Sehr geehrte Qantara-Redaktion,

in ihrem Disclaimer behaupten Sie: "Qantara.de ist eine Plattform für den Dialog." Auf der anderen Seite ist die einzige Methode, mit der Sie Rückmeldung aus dem "Publikum" bekommen können die des Leserbriefs. Denken Sie nicht, es wäre angebracht, ein Forum oder zumindestens Kommentare zu den Artikeln einzurichten? Das verstünde ich unter Kommunikation.

Zur Sache: Der Beitrag von Herrn Al-Khatib scheint in meinen Augen einiges durcheinander zu bringen:

1. Zunächst einmal scheint er die verschiedenen Wege des Widerstandes nicht genau identifizieren zu wollen:

"... im Irak gebe es verschiedene Gruppierungen, die gegen die amerikanische Präsenz kämpften. Einige wählten den friedlichen Wege, andere den des Terrorismus."
Andere widerum den des bewaffneten Widerstands! Angriffe irakischer Widerstandskämpfer auf Besatzungsmachtsoldaten kann nicht als Terrorismus bezeichnet werden. Einzelne Anschläge, die es zu verurteilen gilt (Anschläge auf Zivilisten) rechtfertigen nicht die allgemeine Bezeichnung als Terrorismus.

2. "Mehrheit der Iraker gegen bewaffneten Widerstand"

Woher Herr Al-Khatib das zu wissen meint, fasst er dann ja auch folgendermassen zusammen: "Auf meiner letzten Reise in den Irak - 25 Jahre nach meiner Ausweisung - wurde dies sehr deutlich." Ich glaube, es kommt darauf an, wann und wo man die Besetzten fragt, denn im Internet sind mehrere Zeugenberichte zu finden, die das Gegenteil behaupten. Freiwillige "Rotes-Kreuz"-Helfer aus aller Welt berichten von Hot-Spots aus. Falluja ist ein Beispiel, wo die Menschen sehr wohl den bewaffneten Widerstand wollen, denn sie sehen für sich keinen anderen Ausweg. Unbewaffnete wie bewaffnete werden gleichmassen erschossen, also können sie genauso gut zur Waffe greifen.

3. Dann versucht sich der Autor an einer Begründung, die in meinen Augen total überschlägt: "Dazu kamen die grausamen inneren Kriege, die gegen verschiedene Volksgemeinschaften geführt wurden, der allgegenwärtige Terror, Todesurteile und Todesbrigaden sowie das Wirtschaftsembargo, durch das Jahre lang Millionen von Kindern schon allein der Anblick von Bananen vorenthalten worden war."

Er spricht hier das Wirtschaftsembargo an. Das Wirtschaftsembargo das -wie nun auch die meisten Iraker wissen - aus den falschen Gründen aufrechterhalten wurde, obwohl alleman in der Welt wusste, dass dadurch lediglich die einfachen Menschen leiden würden und auch tatsächlich gelitten haben.

Letztlich hat es Scott Ritter zusammengefasst: "Nun entdecken die Iraker, dass sie umsonst zehn Jahre lang unter einem Embargo leiden mussten, dass tausende Kinderleben gekostet hat, dass sie einen weiteren Krieg durchmachen mussten und durchmachen müssen, der gar nicht geführt zu werden brauchte, dass sie nun nicht wie besprochen ein souveräner Staat sind, dass das, was sie mit ihrer neugewonnen Freiheit tun, ihnen vorgeschrieben wird, letztlich, dass sie nicht viel besser dran sind. Was würde man an ihrer Stelle tun?"

4. Dann sagt Herr Al-Khatib:"Was jetzt als "irakischer Widerstand" bezeichnet wird, ist im Grunde eine Art geheimer "Teufels"-Pakt zwischen den verbliebenen Schergen Saddams, den geheimen Sicherheitsorganen des alten Systems, Teilen der ehemaligen Präsidialgarde, der Al-Qaida und des Dschihad."

Das klingt für mich wie: Schmeissen wir mal alle, die es irgendwo auf der Welt gibt in einen Topf und schauen was dabei rauskommt. Ziel dieses Satzes kann nur die Diskretisierung des durchaus legitimen irakischen Widerstands sein.

Natürlich kann man z.Zt. nicht ausschliessen, dass Al-Qaida oder "Schergen Saddams" involviert sind, allerdings kann das nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Aufwallung sehr wohl vom "Volk" gewollt ist. (rechtlich kann die Bevölkerung Iraks nicht als Volk bezeichnet werden, da sie ja in einer Besatzung sind.)

Der Autor vergisst oder überspielt, dass die verschiedensten irakischen Gruppierungen sich zusammengetan haben und ihre Differenzen beiseite gelegt haben, um sich der Besatzung zu wiedersetzen.

5. Herr Al-Khatib fragt schließlich, warum niemand den irakischen Widerstand finanziell unterstützt hat, als es um die Beseitigung Saddam Husseins ging. "Warum wurde für uns während dieser Zeit kein einziger Pfennig gesammelt?"

Aber er persönlich ist doch schon seit 25 Jahren ausserhalb des Iraks! Auf der anderen Seite ist nicht verständlich, für wen wir gesammelt haben sollten: Die Oppositionsgruppen im Ausland: Die brauchten nicht wirklich Geld! Entweder sie haben sich ihr Brot durch ehrliche Arbeit (oder Sozialhilfe) erworben oder sie wurden von den USA finanziell am Leben erhalten.

Für die Iraker im Inneren des Iraks wurden ständig Spendenaktionen von den verschiedensten Organisationen initiiert, bis es verwerflich wurde, Geld zu sammeln um den Irakern zu helfen, solange Saddam Hussein an der Spitze war. Aber an diesem Bild waren nicht die Menschen schuld, sondern teilweise wiederum die irakische Opposition im Ausland, die mehrfach an die Effizienz und Glaubwürdigkeit der Hilfsorganisationen öffentlich gezweifelt hat. Es wurde ständig behauptet, dass ein Grossteil des Geldes an das Regime ginge. Ziel war offensichtlich die Rechtfertigung eines Angriffskrieges seitens der USA und Grossbritanniens.

MfG,

Omar Abo-Namous
Petra Dünges, 17. April 2004

zu: Wir sind auch wer!, von Jürgen Stryjak

Sehr geehrter Herr Stryjak,

vielen Dank für Ihren interessanten Artikel vom 11.2. 2004 über die ägyptische Kinderliteratur.

Sie schreiben, dass es für Kinder in Ägypten vor allem Bücher zum spielerischen Lernen gibt und dass die wenigen Erzählungen, die sich an Kinder wenden, meist einen sehr starken pädagogischen Unterton haben. Soweit ich sehe, kann man diese Beobachtung auf den arabischen Kinderbuchmarkt insgesamt verallgemeinern.

Zum Inhalt der Kinderbücher habe ich folgendes festgestellt. Viele arabische Kinderbücher handeln von religiösen oder anderen traditionellen Gegenständen. Auf der einen Seite werden Themen für Kinder häufig aus dem Koran oder aus dem Leben des Propheten Mohammed geschöpft, auf der anderen Seite gibt es z.B. die Geschichten aus Tausendundeiner Nacht. Für größere Kinder gedacht sind Lebensbeschreibungen berühmter arabischer Wissenschaftler und Literaten aus dem Mittelalter.

Des öfteren findet man auch Übersetzungen oder Adaptionen von Büchern aus dem europäischen Sprachraum (leider oft ohne Autoren- oder Übersetzerangabe), die Märchen der Brüder Grimm sind beispielsweise recht beliebt. Für ältere Kinder gibt es vor allem Abenteuergeschichten und Sachbücher.

Erzählungen, in denen Krieg und Gewalt in den buntesten Farben ausgemalt werden, sind keine Seltenheit - derartiges gibt es bereits für kleine Kinder und auch in Bilderbuchform. Man findet auch immer wieder Bücher, in denen Kinder zum Hass auf Israelis oder Juden allgemein aufgestachelt werden.

Vor einigen Jahren fragte ich einen Buchhändler des Institut du Monde Arabe in Paris nach Kinderliteratur, die er mir zur Übersetzung ins Deutsche empfehlen könnte. Er gab mir mit leuchtenden Augen ein Buch über einen palästinensischen Waisenjungen, der in einem Flüchtlingslager lebt, und der sich zu einem Kämpfer gegen die Israelis entwickelt. Dabei darf eine detaillierte Anleitung zum Bau eines Molotow-Cocktails nicht fehlen.

Aber auch die Gedanken, die dem Jungen durch den Kopf gehen, als er nachts auf den israelischen Konvoi wartet, den er angreifen wird, werden genau geschildert. Er hat zunächst Zweifel, ob er das Attentat ausführen soll, denn auch der Gegner ist ein Mensch. Aber schießlich siegt seine Liebe zu Palästina, er wirft die selbstgemachte Bombe und wird zum Helden. Am Schluss werden die Leserinnen und Leser aufgefordert, diese Geschichte weiterzuerzählen und vielleicht später auch zu solchen Helden zu werden. Dieses Buch ist zwar ein Extremfall, aber leider kein Einzelfall. Es ist traurig, dass die Herzen der Kinder so mit Hass vergiftet werden.

Insgesamt ist die Qualität der Texte und Illustrationen bei der Mehrzahl der Bücher für Kinder nicht sehr hoch. Das ist sicher auch darauf zurückzuführen, dass sich viele Eltern teure Bücher nicht leisten können. Ich habe allerdings den Eindruck, dass sich in den letzten Jahren eine leichte Wandlung abzeichnet und Bücher mit mehr Liebe produziert werden.

So muss man schon eine ganze Weile suchen, um Kinderbücher zu finden, die sich für eine Übersetzung aus dem Arabischen eignen. Aber die Mühe lohnt sich, denn es gibt arabische Bücher mit hervorragenden llustrationen und phantasievollen Texten, die auch deutschen Kindern große Freude bereiten können.

Sicher ist es eine gute Idee, deutsche Kinderbücher ins Arabische zu übersetzen. Aber es ist genauso wichtig, dass eine Übersetzung in die umgekehrte Richtung stattfindet. Bisher haben ja nur wenige arabische Kinderbücher ihren Weg ins Deutsche gefunden. Die nächste Frankfurter Buchmesse, wo die arabische Welt Ehrengast ist, wird hoffentlich die Gelegenheit bieten, viele Kontakte zwischen deutschen und arabischen
Verlagen zu knüpfen. Ich freue mich schon darauf.

Mit freundlichen Grüßen -

Petra Dünges
Maha Bazzi, 14. April 2004

zu: Christen beneiden Muslime, von Kirsten Serup Bilfeldt

Ich finde es traurig, dass wir immer rechtfertigen müssen, dass der Islam nicht für die Unterdrückung der Frau steht. Auch bei uns sind Mann und Frau gleich gestellt. Ich sehe ein, dass es leider noch in vielen Ländern zur Unterdrückung der Frauen kommt, doch hat dies nicht mit dem Islam, sondern mit Unglaube und größtenteils auch mit irgendwelchen Traditionen zu tun. Das Kopftuch nimmt den Frauen keine Rechte, sondern schützt sie nur.
Peter Wiehe, 1. April 2004

zu: Passen die Araber in die moderne Welt?, von Patrick Seale

Im Artikel wird absolut nichts gesagt über das Verhalten der Araber selber!Würden wir Europäer so schlecht zuammenhalten und zusammenarbeiten würden wie die Araber, wären wir mindestens genauso schlecht dran wie sie (Krieg, Unterentwicklung).

Was sollen die ganzen EU-Friedens-Initiativen, wenn die Araber noch nicht mal daran interessiert sind, ihre eigenen palästinensischen Brüder mit Nahrungsmitteln, Medizin oder Ähnlichem zu versorgen, wenn die mal wieder abgeschottet durch die Israelis in irgendeinem Elends-Lager vor sich hin vegetieren? Und wenn sie es noch nicht mal schaffen, gemeinsam gegen Israel oder USA zu sprechen?

Außerdem ist meiner bescheidenen Meinung nach Herr Seale kein Arabien-Kenner. Sonst würde er weder Arabien pauschal als fortschrittsfeindlich noch die westlichen Bemühungen als demokratie-fördend darstellen. Wäre ich Investor mit Interesse an Arabien, würde ich bestimmt nicht dort investieren, wo die USA und die EU den Arabern zeigen "wie man Demokratie macht", sondern dort, wo es eine stabile Balanz zwischen Tradition und Moderne in den Köpfen der Araber gibt. Auch ein mit Gewalt den Westen nachäffendes Land ist nicht stabil, im Gegenteil.

Nach dem US-Krieg ist es riskanter und damit unrentabler geworden, in irgendeinem muslimischen Land zu investieren, egal ob Arabien oder Südostasien! Noch bedrohlicher für Geschäfte als Al-Kaida ist die westliche "Hilfe" selber! Man stelle sich vor, die USA greifen Syrien (oder Libyen oder ...) an: Das wäre der finanzielle Totalverlust für westliche Investoren dort. Zum einen wegen der Kriegsschäden (zerschossene und geplünderte Firmenanlagen, getötete Mitarbeiter, flüchtende und verarmte Kunden), zum anderen weil man nach dem Krieg unwillkommen ist, egal ob nachher die Amis oder die Araber regieren.

So wie eine Minderheit der US-Bürger sagt "Nicht in meinem Namen", so sage ich als Kapitalist und Demokrat: "Nicht in meinem Namen" zur "Demokratisierungs"- und Beglückungs-Politik des Westens. Die Araber sind mehr als nur doofe Hinterwäldler. Laßt sie selber entscheiden und vertraut ihnen!

Mit freundlichen Grüßen
Peter Wiehe
Rainer Heufers (Malaysia), 29. März 2004

zu: Reform ohne Demokratie? Von Charlotte Wiedemann

Ich finde es sehr gut, dass Qantara auch über so abgelegene islamische Länder wie Malaysia berichtet; dennoch verdienen nach meinem Dafürhalten Teile von Charlotte Wiedemanns Analyse eine genauere Betrachtung.

So wird die Islamische Partei (PAS) als "vergleichsweise moderat" bezeichnet. "Moderat" scheint mir aber keineswegs das passende Attribut, wenn es um die PAS geht.

In den zwei Bundesstaaten Kelantan und Terengganu, in denen sie in den letzten Jahren regiert hat, vermochte sie es erfolgreich, die Hudud-Strafen (islamische Strafgesetze, d. Ü.) von den regionalen Parlamenten absegnen zu lassen. Strafen wie Amputationen, Kreuzigungen und Steinigungen bis zum Tode gehören in diesen Staaten damit zu den Strafgesetzen.

Ursprünglich wollte die PAS auch die Bestimmung durchsetzen, dass ein weibliches Vergewaltigungsopfer vor dem Gericht nur dann Gehör findet, wenn sie drei, wohl beleumundete islamische Männer als Zeugen des Verbrechens anführen kann. Andernfalls sollte sie wegen Verleumdung angeklagt und hart bestraft werden können. Viele andere Beispiele ließen sich anführen, doch sollte schon dieses ausreichen, um die Klassifizierung der Partei als moderat zurückzuweisen.

Zurecht räumt Frau Wiedemann ein, dass die islamische Gemeinschaft in Malaysia zwar konservativer geworden sei, versäumt es aber, die Gründe hierfür zu nennen. Dabei war es doch die PAS, die ihren Wahlkampf vor allem darauf aufbaute, den Premierminister und einen Teil seiner Politik als un-islamisch zu brandmarken.

Damit ist es ihr gelungen, die malaysische Wählerschaft zutieft zu verunsichern. Eine Wählerumfrage, die mit Unterstützung der deutschen Friedrich Naumann Stiftung durchgeführt wurde, ergab, dass die islamischen Wähler den Unterschied nicht verstanden, zwischen der Forderung der PAS nach einem "islamischen Staat" und dem Begriff des "islamischen Landes", als das die Regierung Malaysia sehen will.

So wurde es den tatsächlich moderaten Parteien unmöglich gemacht, das radikale Konzept des "islamischen Staates" zu bekämpfen, ohne selbst als un-islamisch oder auch nur weniger islamisch als die PAS zu gelten.

Doch weist die vorgebliche "empfindliche Niederlage" der PAS nicht doch auf eine breite Ablehnung radikaler Ideen durch die Wähler hin? Nein, keineswegs! Zunächst muss festgestellt werden, dass es der PAS gelungen ist, die politische Agenda im Islam-Diskurs zu diktieren, was während der Amtszeit des Premierministers Dr. Mahathir nicht der Fall war. Man muss also abwarten, wie sich die Dinge in der Zukunft entwickeln werden.

Außerdem lässt sich kaum von einer empfindlichen Niederlage sprechen, ebenso wenig von einer faktischen "Auslöschung" der Gerechtigkeitspartei Wan Azizahs, wie Frau Wiedemann es formulierte.

In einem Wahlsystem mit einfacher Mehrheit, in dem die Regierung darüberhinaus alles unternimmt, um Vorteile aus der willkürlichen Einteilung der Wahlbezirke ("gerrymandering") zu ziehen, sagt die bloße Zahl der Sitze nicht viel aus über die tatsächlichen politischen Präferenzen der Wähler.

Tatsächlich nämlich fiel zwar die Zahl der Sitze, die die PAS für sich verbuchen konnte, von 27 (1999) auf sieben, doch steht dem eine leichte Erhöhung des prozentualen Stimmanteils von 15% auf 15,51% im gleichen Zeitraum gegenüber. Die Gerechtigkeitspartei ihrerseits verfügt nach der Wahl nur noch über einen Parlamentssitz, nachdem ihr Stimmanteil von 11,5% auf 8,8% gefallen ist. Dies ist zweifellos eine Niederlage, doch eine "Auslöschung" ist es keineswegs.

Rainer Heufers
Projektleiter Malaysia
Friedrich Naumann Stiftung
Detlef Kulschewski, 23. März 2004

zu: Passen die Araber in die moderne Welt?, von Patrick Seale

Sehr geehrte Damen und Herren,

wie im Bericht des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) von 2003 zu lesen ist, ist der arabisch islamische Raum durch glaubensbedingte Einschränkung der Bildungsfreiheit, zunehmender Repression gegenüber den Frauen in seiner Entwicklung sehr zurückgefallen. Dabei zeigt man sich zur Selbstkritik unfähig. Ursache für diese ganze Misere ist eine erstarrte Religion. Es ist kaum zu erwarten, dass sich die Situation ändern wird. Imame, Mullahs und Religionsfanatiker werden keine Entwicklung in Richtung eines säkularen Staates zulassen, die ja die Grundlage für eine dauerhafte Entwicklung ist. Die Chancen stehen also sehr schlecht.

Mit freundlichen Grüßen,

Dipl.-Ing. (FH) Detlef Kulschewski
Martina Sabra, 15. März 2004

zu: Bruch oder Aufbruch, eine Rezension von Stefan Weidner

Liebe Redaktion,

Stefan Weidners Kritik an dem Buch von Manji teile ich voll und ganz. Das Buch stellt in der Tat einige sehr wichtige Fragen, und macht auf gravierende Fehlentwicklungen aufmerksam. Doch gleichzeitig verbreitet Frau Manji solche Mengen geballten Unsinns, dass nicht nur reformfreudige Muslime das Buch zuklappen werden - es reicht auch der gesunde Menschenverstand. Besonders schlimm ist ihr ignorantes, anmaßendes Geschwafel über den israelisch-palästinensischen Konflikt. Das Buch ist das Papier nicht wert, auf dem es gedruckt ist. Leider!

Martina Sabra

Irshad Manji. Der Aufbruch. Plädoyer für einen aufgeklärten Islam. Einborn Verlag, Frankfurt 2003. 224 S., geb. 17,90 EUR
Donata Kinzelbach, 13. März 2004

zu: Malta - Brücke zwischen Europa und arabischer Welt, von Sigrid Dethloff

Als deutsche Verlegerin von Oliver Friggieri freue ich mich natürlich sehr über diesen Beitrag und möchte darauf hinweisen, dass rechtzeitig zum EU-Beitritt Oliver Friggieris Kurzgeschichten unter dem Titel "Feuerwerk" (ISBN 3-927069-73-6, 160 Seiten, Euro 15,00) in meinem Verlag erscheinen werden.
Unter allen Textsorten sind Kurzgeschichten wohl am besten geeignet, relativ unmittelbar zum Verständnis der (hier: maltesischen) Realität beizutragen. Selbst wenn es prinzipiell richtig ist, dass man sich hüten solle, Literatur als Steinbruch für Landeskunde zu benutzen, da es sich um Texte der Imagination in den verschiedensten Facettierungen handelt, so stellt sich für maltesische Schriftsteller der Gegenwart die Sachlage etwas anders dar. Als kleines Land mit einer faszinierenden Sprache - Malti - wurde und wird Malta bislang viel zu wenig wahrgenommen. Das gilt es zu ändern...

Donata Kinzelbach
Donata Kinzelbach Verlag
Dr. Arno Tausch, (Innsbruck, Österreich), 12. März 2004

Werte QANTARA-Redaktion,

herzliche Gratulationen zu Ihrer wirklich großartigen Webseite. Ich habe Sie gleich meinen Studierenden empfohlen!

Schöne Grüße -

Ministerial Counselor Dr. Arno TAUSCH,
Associate Visiting Professor
of Political Science at Innsbruck University
Aiman A. Mazyek, 9. März 2004

zu: Wider die Kulturalisierung des Kopftuch-Diskurses!, von Lale Akgün

Sehr geehrte Damen und Herren,

Akgüns Gut- und Böseschema (hier die Demokraten und dort die Islamisten) hat mit der Realität in Deutschland nichts gemein. Dort passieren ganz andere Dinge, die jeden Demokraten nachdenklich machen und langsam gefährlich werden.

Boshaftigkeit, diskriminierende und suggestive Unterstellungen helfen da auch nicht weiter. Sie wirbt als Islamsprecherin mit Alleinvertretungsrecht in Deutschland.

Das ist ihr gutes Recht; bleibt aber anmaßend. Dies darf auch weiterhin in einer freiheitlichen demokratischen Gesellschaft in Abrede gestellt werden.

MfG
Aiman A. Mazyek, Pressesprecher ZMD
Ahmet Karamercan, 4. März 2004

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich habe ihre Web-Site erst neulich kennengelernt und möchte Sie dazu herzlichst beglückwünschen. Ich weiss nicht, seit wann sie besteht, aber ich bin mir sicher, dass sie einen sehr wichtigen Beitrag zum Völkerverständnis leisten wird. Haben Sie je daran gedacht auch Türkische Beiträge (wenn möglich in Türkisch) zu veröffentlichen. Als ich Ihre Seite Feministischer Islam studierte, fiel mir auf, dass kein Beitrag aus der Türkei vorhanden ist. Ein Interview mit Frau Hidayet Tuksal Sefkatli (Doktor der Theologie, und Vorsitzende der Frauenplattform) oder eine kurze Zusammenfassung einer ihrer Werke, die in der islamischen Welt grossen Echo finden, würde sehr gut auf Ihre Seite passen.

Mit freundlichen Grüssen
Ahmet Karamercan
Rudolf Rüßmann, 29. Februar 2004

zu: Christen beneiden Muslime , von Kirsten Serup Bilfeldt

Der Dialog zwischen den Religionen hat natürlich auch die Aufgabe, Vorurteile, Unkenntnisse und Fehlinterpretationen zu beheben. Was ich vermisse, ist, dass der Dialog produktiv genutzt wird, indem man in der anderen Religion bzw. in der anderen Gemeinde das sucht, was man nachmachen und sich zu eigen machen sollte. Anstatt das Andere zu schmähen bzw. von dem Anderen sich abzusetzen, solllte man hinschauen, was die Anderen besser machen. Was die Intensivierung und Rechtleitung des Glaubens betrifft, besteht in dieser oder jener Religionsgemeinschaft ausreichend Handlungsbedarf.
Egin Ceka, 24. Februar 2004

zu: Schach dem Scheich, von Mourad Kusserow

Merkwürdig, dass sich Qantara für den Dialog mit dem Islam einsetzen möchte, und dann Verschwörungstheorien von Herrn Kusserow veröffentlicht, nach denen die Islamisten dabei sind, das Königreich Marokkos zu stürzen.

Was der Autor hier überhaupt nicht erwähnt, ist, dass Scheich Abdessalam Yassine viele Jahre im Gefängnis verbracht hat, nicht zuletzt weil er den verstorbenen König kritisiert hat, Gelder im Ausland versteckt zu haben und willkürlich "ein König der Armen" zu sein.

Außerdem erwähnt der Autor nicht die gemäßigte Rolle von Adl wal-Ihsan, die nicht zuletzt bei den letzten Parlamentswahlen zum Vorschein kam. Die Bewegung wurde nicht zu einer Partei umfunktioniert und enthielt sich somit von den Wahlen. Sie hat die Mitglieder - nicht anderes als erwartet - zu Besonnenheit und Friedfertigkeit gerufen, was auch respektiert wurde.

Des Weiteren wäre doch bewundernswert, dass eine Frau eine führende Rolle bei der Organisation hat. Sie ist nicht zuletzt stellvertretend für viele Frauen, die sich mehr in ihrer muslimischen Gesellschaft engagieren möchten.

In Bezug auf die Verschwörungstheorien über Staatsstreich, blinden Gehorsam bis zum Morden und Sterben, über angebliche geheime Gelder, führt der Autor keine Beweise, sondern lediglich leidenschaftliche Sätze an.

Ich bin kein Marokkaner, interessiere mich aber für Marokko und kenne viele Marokkaner. Bei vielen von ihnen handelt es sich um traditionsbewusst und religiös erzogene Menschen mit einer geprägten Liebe zum Islam. Darüber hinaus handelt es sich um Menschen, die, unabhängig davon, ob die Monarchie "legal oder illegal" sei, sich ihrem Land und somit auch dem König verpflichtet fühlen. Die königliche Bezeichnung "Amir al Mu'minin" ("Fürst der Gläubigen") wird von ihnen allgemein respektiert. (…)

M.E. geht es dem Autor darum, einerseits die Beschneidungen bei den Menschenrechten zu legitimieren, um das Vorgehen der Regierung gegen Islamisten ohne Unterscheidung zu rechtfertigen; andererseits aber auch darum, zu behaupten, dass die jetzige kompromittierte Regierung die einzige Alternative sei. Und nicht zuletzt darum, einen Sündenbock zu finden, um von gesellschaftlichen Problemen abzulenken.

Es mag in Marokko Übeltäter geben, die aufgrund einer Fehlinterpretation des Islam den inneren Frieden gefährden. M.E. sind sie aber nicht innerhalb der Führung von Adl wal-Ihsan zu suchen. Vielmehr hat sich die Organisation als ein gesellschaftlicher Akteur profiliert, der einerseits für gesellschaftlichen Frieden sorgt, andererseits die sozialen Missstände in Marokko offen kritisiert. Scheich Yassine hat sowohl im Gefängnis als auch in Freiheit gezeigt, dass es ihm um einen friedlichen Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft geht. Die Verteufelung genau dieser islamistischen Kräfte wäre kontraproduktiv. Sie würde mehr soziale Spannungen erzeugen und den sozialen Konsens zwischen muslimisch geprägter Gesellschaft und monarchistischem Staat gefährden. Vielmehr ist ein "Dialog mit dem politischen Islam" notwendig, wie er auch vom Journalisten Nabil Chbib auf Ihrer Webseite gefordert wird. Anstatt diese Ausprägung des Islamismus, die sich für einen friedlichen, sozialen und wirtschaftlichen Wandel einsetzt, der in arabischen und muslimischen Gesellschafen ohnehin notwendig ist, zu bekämpfen, sollte man ihm deutlich den gesellschaftlichen Auftrag anerkennen.

Mit freundlichen Grüßen,
Egin Ceka
Detlef Kulschewski, 20. Februar 2004

zu: Der Westen muss jetzt mit den Islamisten sprechen, von Amr Hamzawy

Sehr geehrte Damen und Herren,

der so genannte kritische Dialog mit der islamischen Welt ist ein Trugbild. Die islamische Welt hat weder die Aufklärung noch die kulturelle Moderne vollzogen. Die technische Revolution wurde ebenso wie die modernen Wissenschaften verschlafen bzw. nicht zur Kenntnis genommen. Der kulturelle Unterschied ist seit ca. 300 Jahren so groß geworden, dass ich keine Gemeinsamkeiten erkennen kann. Es ist nicht möglich die islamische Welt in einem modernen System zu integrieren. Scharia und Verhaltenweisen des Islams ist weder mit den Menschrechten noch mit der Demokratie vereinbar.

Mit freundlichen Grüßen,
Dipl.-Ing. Detlef Kulschewski,
Berlin
Manfred Ewel (Rabat, Marokko), 4. Februar 2004

zu: Ein mutiger Schritt des marokkanischen Königs, von Martina Sabra

So sehr ich die Veröffentlichung dieses Artikels begrüße, fallen mir jedoch zwei sachliche Fehlbewertungen auf: Gegen Ende des Artikels schreibt die Autorin:

"Die weitgehende Gleichstellung der Frauen trägt zweifellos zur Demokratisierung der marokkanischen Gesellschaft bei. Doch das politische System Marokkos wird dadurch nicht automatisch demokratischer – im Gegenteil!"

Offenbar ist weder der Autorin noch der Redaktion aufgefallen, dass diese Sätze sich widersprechen: Ohne Zweifel tragen die Neuregelung des Familienrechts und die damit verbundenen sozialen, politischen und juristischen Innovationen zur weiteren Verwirklichung von Menschenrechten in Marokko bei.

Die Tatsache, dass die jahrelangen Forderungen der feministischen Bürgerinitiativen nun auch vom Monarchen, Regierung, Parlament und Jurisdiktion unterstützt werden und in der Praxis zu konkreten Verbesserungen führen, halte ich im Zusammenhang mit anderen politischen Verbesserungen der letzten Jahre für einen bedeutenden Zugewinn staatsbürgerlicher Freiheiten. - Wieso sollte man diese Entwicklung deshalb nicht als demokratischen Zugewinn im politischen System des Landes bewerten?

Zum zweiten sind die Islamisten in Marokko nicht deshalb "populär, weil sie als einzige politische Kraft radikal die politische Legitimität der Monarchie in Frage stellen.", wie Martina Sabra überraschenderweise behauptet. Ihr Einfluss auf breite Bevölkerungskreise lässt sich vielmehr vor allem durch eine konservativ-religiöse Grundhaltung ihrer Anhänger sowie ihrer intensiven Basisarbeit bei den politisch und sozial Marginalisierten erklären. - Mir sind jedenfalls keine seriösen Kenner der politischen Szene in Marokko bekannt, die behaupten würden, die Monarchie sei heutzutage nicht populär.

Kurz, schrittweise Demokratisierung ist, wie das marokkanische Beispiel zeigt, auch in einer Monarchie mit erstarkenden rechtsstaatlichen Institutionen möglich!
Donata Kinzelbach, 23. Januar 2004

zu: Übersetzungen als Zerrbilder des Westens, von Samir Grees

Danke für den informativen Beitrag. Als Verlegerin mit Schwerpunkt Maghreb weiß auch ich ein Lied davon zu singen, dass Autoren sich oft übergangen fühlen. Dabei ist die Entscheidung für einen Autor oft lediglich aus finanziellen Gründen eine Entscheidung gegen andere.

Was die Auswahl betrifft, so muss man jedoch leider konstatieren, dass allzuoft Klischees bedient werden, weil sich diese leider besser abverkaufen als hochkarätige Literatur.

Was die desaströse Buchmessen-Vorbereitung betrifft, so halte ich dies allerdings für "Kolonialgehabe". Warum lassen wir nicht jedem seinen Rhythmus? Wir wissen doch, dass die Uhren nicht allüberall gleich schnell gehen. Larmoyanz schon im Vorfeld dürfte hier eher hinderlich sein. Und: Ich bin sicher, dass zur Buchmesse einiges vorliegen wird...

Donata Kinzelbach
Donata Kinzelbach Verlag, Mainz
Guy Tariq Meynen (Belgien), 21. Januar 2004

zu: Der Westen muss jetzt mit den Islamisten sprechen, von Amr Hamzawy

Der Westen sollte auf keinen Fall den Dialog mit den Islamisten suchen, weil es so etwas wie den "gemäßigten Islamismus" ganz einfach nicht gibt! Die Islamisten missbrauchen den Begriff Sharia systematisch, ganz so, als ob es sich dabei um einen etablierten Rechtskodex handeln würde. Dem ist nicht so. Es gibt zwar einen islamischen Rechtskodex, der aber stammt aus der Feder von Juristen, man nennt ihn "Fiqh". Die Sharia ist nichts anderes als eine Anleitung, die die Gläubigen dabei unterstützt und motiviert, ihren Alltag zu meistern.

Die Argumentation der so genannten "gemäßigten" Islamisten ist äußerst geschickt: sie preisen ihr Modell eines Islamischen Staates, das nicht für die Praxis geschaffen ist, weil die Sharia sich von der Fiqh-Jurisprudenz unterscheidet und weil es keine allgemeingültige Interpretation der Sharia gibt oder jemals geben wird. Die Islamisten leugnen, dass sie demokratische Gesellschaftsmodelle ablehnen, das gehört aber zu ihrer Strategie. Die radikalen Islamisten machen im Gegensatz dazu keinen Hehl daraus - darin besteht aber auch der einzige Unterschied zwischen diesen beiden Gruppen.
Samar (Niederlande), 21. Januar 2004

zu: Der Westen muss jetzt mit den Islamisten sprechen, von Amr Hamzawy

Ich denke, dass der Westen mit den moderaten Islamisten den Dialog suchen sollte. Wenn man einen derart wichtigen politischen, kulturellen und sozialen Faktor der Islamischen Welt ignoriert, begeht man möglicherweise einen Fehler. Dialoge zu führen kann ja nie schaden. Und
außerdem arbeitet man dabei gegen die fatale Logik vom "Kampf der Kulturen". Wenn der Westen mit Leuten wie Sharon und Bush im Dialog steht, warum dann nicht auch mit moderateren Gruppierungen als diesen beiden Hardlinern?
Petra Dünges, 8. Januar 2004

zu: Übersetzungen als Zerrbilder des Westens?, von Samir Grees

Sehr geehrter Herr Grees,

in Ihrem sehr lesenswerten Artikel über die Übersetzung arabischer Bücher fanden Sie lobende Worte für zwei von Nagi Naguib übersetzte berühmte Werke der arabischen Literatur, nämlich zu "Hausboot am Nil" von Nagib Mahfuz und
"Die Öllampe der Umm Hashim" von Yahya Haqqi. Ich möchte hinzufügen, dass beide Bücher bei dem Verlag Edition Orient in Berlin erschienen sind, die "Öllampe" sogar in einer zweisprachigen arabisch-deutschen Ausgabe.

Sie schreiben, dass trotz aller berechtigten Kritik an einzelnen Übersetzungen viele Übersetzer "mit viel Liebe und Geschick" ihre Arbeit tun und dass sie "nicht gerade fürstlich dafür bezahlt werden".

Das mit der Liebe und der nicht gerade fürstlichen Bezahlung kann ich aus eigener Erfahrung leider nur bestätigen. Ich habe vor einigen Jahren zwei schöne moderne Kunstmärchen für Kinder ausfindig gemacht und sie dann übersetzt. Zum Glück war ich auf den Lohn für die Übersetzung finanziell nicht angewiesen, sonst hätte ich mir diesen "Luxus" ganz sicher nicht leisten können. (...)

Leider haben Buchhandlungen solchen Büchern gegenüber oft Vorbehalte. "Das Buch wirkt zu fremd", "die Bilder sind zwar schön, aber sehr ungewohnt". Daher wagen sie es oft nicht, solche Bücher auszustellen - wie sollen sie dann aber verkauft werden? Und wenn sie nicht verkauft werden, wie soll der Verlag Geld für eine vernünftige Bezahlung der Übersetzer bekommen? Und wenn die Übersetzer nicht vernünftig bezahlt werden, woher sollen dann qualitativ hochwertige Übersetzungen kommen?

Aber nicht nur Buchhandlungen, sogar manche Verlage, die zweisprachige Bücher im Programm haben, haben ihre Vorbehalte. Als ich einen Verlag für eine arabisch-englische Version dieses Kinderbuches suchte, habe ich einmal zu hören bekommen: "Das Buch ist zu arabisch".

Soll ich vielleicht statt eines "fremden", "ungewohnten", "zu arabischen" Buches lieber ein "bekanntes" "gewohntes" "unarabisches" aus dem Arabischen übersetzen?

Allerdings haben Kinder mit diesem "fremden" "ungewohnten" "zu arabischen" Buch gar keine Probleme: es macht ihnen einfach Spaß! Das habe ich gesehen, als ich einmal in einer Grundschule eine Lesung gemacht habe. Kinder haben eben noch nicht so viele Scheuklappen wie erwachsene.

Mit freundlichen Grüßen

Petra Dünges
Josef Bornhorst (Karatschi, Pakistan), 5. Januar 2004

zu: Die Konzelmänner von Karatschi, von Thomas Bärthlein

Lieber Herr Bärthlein, Sie haben meine volle Zustimmung, was die Berichterstattung über Pakistan angeht. Wer einmal durch das Land gereist ist und sich länger hier aufhält, kann dies nur bestätigen.

Das Goethe-Institut betreibt seit dem Herbst letzten Jahres die Wiedereröffnung des Instituts, das im Mai 2002 geschlossen wurde – wobei Sicherheitsaspekte selbstverständlich zu berücksichtigen sind. Ich selbst hatte jedoch nie das Gefühl einer Bedrohung oder einer feindseligen Haltung, weder im täglichen Leben noch auf Reisen und schon gar nicht bei Partnern. Die Wiedereröffnung wird mit aller Energie betrieben, auch wenn andere europäischen Kulturinstitute dies nicht in gleichem Maße tun.

Josef Bornhorst, Institutsleiter Goethe-Institut Karatschi
Jörg Steinert, 5. Januar 2004

zu: Die Konzelmänner von Karatschi, von Thomas Bärthlein

Wenn einer, wie Thomas Bärthlein, mit seinen Kollegen Schlitten fährt, weil sie sich nicht für eine ausgewogene Berichterstattung in ihren Medien "gerade" machen, er aber selbst mit seinem Handwerk nicht richtig hantiert, ja, dann trau auch ich ihm nicht über den Weg. Denn wer, bitte, wer sind denn die "Konzelmänner" die in der Überschrift des Klagebeitrages vorgestellt werden? Die Väter aller Heinzelmänner? Vertreter von Hinz und Konz? Oder was?

Im übrigen ist das Problem komplexer als beschrieben. Es gibt neben dem sich wie die Pest ausbreitendem Magazin-Journalismus, der auf wortreiche Unterhaltung setzt, nur noch Fragmente einer Berichterstattung, die sich der Nachricht verpflichtet fühlt. Diesen Hang zur Nachricht nun bei dpa zu vermuten ist schon sehr mutig. Lokale Radios und TV - Stationen zu belauschen, oder die am Kiosk erstandene Lokalpresse zu flöhen, ist ja wohl nicht gar sooo investigativ. Aber billig ist es.

Immer kürzere Reisezeiten für Recherchen - besser noch kostenfreie Einladung- weniger Büros im Ausland, weniger Geld für Material, Gebühren, kaum noch Spesen für Informanten-Gespräche - die Kollegen nehmen hin, was die die Verlagsmotze vorgeben. In den Vereinigten Staaten entfallen bereits auf einen Journalisten zwei PR-Lümmel. Der Trend zur Desinformation oder Zweckinformation - zeitversetzt - wird auch uns voll erwischen. Woher sollten die Abwehrkräfte gegen diese Influencia kommen? Durch unsere mutigen Korrespondenten vielleicht? Seh ich nicht.

Jörg Steinert
Rainer Klein, 3. Januar 2004

Zu: Siegeszug der Shisha, von Ariana Mirza

Sehr geehrte Damen und Herren,

Bei all den wohlgemeinten und wohlschmeckenden Ritualen orientalischer Provenienz in deutschen Landen sollte jeder Betreiber seines Sisha-Angebots die Nutzer darauf verweisen, von tiefen Inhalationen, sogenanntes "auf Lunge rauchen", so wie es bei todbringenden Zigaretten nun einmal üblich ist, Abstand zu nehmen. Der warnende Hinweis hätte durchaus eine Berechtigung. Der geneigte deutsche Genußmensch übertreibt auch hier ganz gern...
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