LESERBRIEFE 2003
Mourad Kusserow, 24. Dezember 2003
Sehr geehrtes Qantara-Team,
zu den Festtagen und zum Jahreswechsel 2003 / 2004 erlaube ich mir, Ihnen meine besten Grüße und Wünsche zu übermitteln, verbunden mit Anerkennung für Ihre Bemühungen um Verständigung zwischen der Welt des Islam und Europa. Nur durch eine permanente Aufklärung lässt sich für den modernen Islam eine Lanze brechen.
Der moderne Islam kann nur dann die Extremisten, die sich mittelalterlichen Ideologien verschrieben haben, zurückweisen, wenn er im Dialog und im friedlichen Zusammenleben mit den anderen abrahamischen Bekenntnissen - Judentum und Christentum - seinen Weg geht. Der Islam hat in der Vergangenheit Großes geleistet, als er in einem engen Kontakt mit dem Judentum und Christentum stand: in Andalusien.
Das Geheimnis des Erfolges des "goldenen Zeitalters" beruht auf dem gegenseitigen Respekt des anderen und auf dem Verzicht jeder Art von Missionierung. Eine andere Religion zu haben - in Deutschland heißt das Muslim oder Jude zu sein - ist kein Hinderungsgrund für eine völlige Integration in die europäisch-deutsche Kultur und Zivilisation, wobei eine Assimilation nicht erforderlich ist.
Seit 1739 gibt es den Islam offiziell als Religion in Deutschland - die erste Moschee wurde damals in Potsdam am "Langen Stall", neben der Garnisonskirche, errichtet. Mit anderen Worten, der Islam gehört auch zur deutschen Kulturlandschaft. Nachlesen kann man das bei Goethe und Rückert und vielen anderen...Die Vielfalt der Kulturen und Religionen gibt der Gesellschaft Vitalität und die Fähigkeit, sich weiter zu entwickeln.
Dazu ist es notwendig, sich über die "anderen" gründlich zu informieren, die Muslime über Juden und Christen, die Christen über Muslime und Juden, die Juden über Christen und Muslime. Anstatt immer nur das Trennende zu suchen und dem anderen aufs Brot zu schmieren, lohnt es sich, nach dem Gemeinsamen zu forschen. Am Ende steht die Erkenntnis, dass es keinen Grund gibt, vor dem anderen Angst zu haben, vor allem aber, der andere verliert seine Fremdheit. Qantara leistet bei der notwendigen Aufklärungsarbeit einen wichtigen Beitrag. Denn durch Ihre Arbeit helfen Sie mit, die Demokratie in der Bundesrepublik Deutschland und in Europa zu stärken.
Ihnen und dem Qantara-Team alles Gute und weiterhin viel Schaffenskraft im neuen Jahr!
Ihr Mourad Kusserow
Rainer Heufers, 8. Dezember 2003
zu:
Sisters in Islam, von Charlotte Wiedemann
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich gratuliere Ihnen zum Artikel über Sisters in Islam. Diese Organisation leistet einen wichtigen Beitrag für eine liberale Koran-Interpretation in Malaysia und auch darüber hinaus. Leider haben Sie nicht erwähnt, dass die Friedrich-Naumann-Stiftung seit Jahren eng mit Sisters in Islam zusammenarbeitet. Es wäre doch gerade auch angesichts der Zielsetzung von Qantara.de, einer m.E. sehr gelungenen Website zur Unterstützung des Dialogs mit der Islamischen Welt, wichtig, den deutschen Beitrag zur Arbeit von Sisters in Islam herauszustellen.
Mit freundlichen Grüßen -
Rainer Heufers
Friedrich-Naumann-Stiftung
Projektleiter Malaysia
Sylvia Weiss, 30. November 2003
zu:
Die Arabische Welt hat eigene Vorbilder, von Sonja Hegasy
Sehr geehrte Damen und Herren,
Ich habe Ihren Artikel über "Marokko als Modell für den Irak" gelesen und mich dabei köstlich amüsiert! Viel sinnvoller wäre es doch sicher, auf Qantara.de die Zusammenfassung von Noam Chomskys "Pirates and Emperors" zu featuren.
Abgesehen davon: Was ist denn mit der Rechtlosigkeit und Grausamkeit der todbringenden Sanktionen, die gegen den Irak über einen Zeitraum von 13 Jahren verhängt worden waren und insgesamt mehr als eine eineinhalb Millionen irakischer Zivilisten töteten? Das kann man durchaus als Völkermord bezeichnen! Warum gibt es hier keinen Aufschrei und Protest der westlichen Demokratien?
Mit freundlichen Grüßen,
Sylvia Weiss
Joanne Nykrin, 28. Oktober 2003
Ausgezeichnet!
Charlotte Wiedemanns "persönliche" Sicht einer "Wandererin zwischen den Welten" entspricht in allem auch meinen eigenen Erfahrungen. Wer selbst viele Jahre in der Dritten Welt gelebt hat, wer genau hinsieht, wer denkt, wer mit dem Herzen denkt, gleich, ob nach christlicher oder muslimischer Moral, muss sich abgestoßen fühlen und sich schämen angesichts dessen, was, fünfzig Jahre nach überwunden geglaubtem Totalitarismus, im freien, aufgeklärten und fortschrittlichen Westen wieder entsteht. Und leider haben diese Entwicklungen gar nichts mit dem Bildungsniveau zu tun - all diese "Islamexperten" haben einen westlichen Hochschulabschluss, wenn auch selten einen in Islamwissenschaft.
Joanne Nykrin
Bitte lesen Sie den Beitrag Wer ist nicht alles Islamexperte
Peter Ripken, 28. Oktober 2003
Sehr geehrte Damen und Herren,
zu den ganz besonderen Anstrengungen, von denen Abdalrachman Munif hier spricht, gehört nicht nur die grosse Leistung der beiden Übersetzerinnen, sondern wohl auch die Tatsache, dass die Übersetzung dieses grossen Romans mit Mitteln des Auswärtigen Amtes durch die Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika gefördert worden ist.
Wie wichtig Übersetzungsförderung ist, wird allein aus der Tatsache deutlich, dass seit 1984 (dem Beginn des Übersetzungsförderungsprogramm für Belletristik aus dem Süden der Welt) 97 Titel aus der Arabischen Welt gefördert worden sind, davon 60 Übersetzungen aus dem Arabischen. Diese geförderten Bücher sind mehr als 20 Prozent aller in dieser Zeit erschienenen belletristischen Werke aus der Arabischen Welt.
Nachzulesen sind diese Angaben auf der website der Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika (
www.litprom.de, unter Service für Verlage)
Mit freundlichem Gruss
Peter Ripken
Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika e.V.
Reineck-Str. 3, D-60313 Frankfurt/Main
Tel.: ++49(0)69-2102-247
FAX:++49(0)69-2102-227
email: litprom@book-fair.com
www.litprom.de Bitte lesen Sie hierzu das Interview mit Abdalrachman Munif
Marie Wildermann, 28. Oktober 2003
Liebe Redaktion,
im Schlusssatz des Artikels lese ich mit einiger Verblüffung, dass Muslime sich heute fragen würden, "ob das positive Bekenntnis zum Islam eine grundsätzlichere Ablehnung der Modernität verlangt" Wie bitte? Kann man sich noch mehr von der Moderne abwenden? Wie weit wollen sich muslimische Frauen noch erniedrigen, um einer patriarchalischen Islam-Interpretation Genüge zu tun? Ich kann mir schwer vorstellen, dass Sie den gerade veröffentlichten Bericht der UN über die menschliche Entwicklung in der arabischen Welt nicht zur Kenntnis genommen haben. In diesem Bericht - übrigens von arabischen Autoren!! - wird gerade eben das beklagt, dass die arabische Welt den Anschluss an die moderne Welt zu verlieren droht, weil sie sich der Entwicklung zur Wissensgesellschaft verschließt. Autoritäre Erziehung und autoritäre Wissensvermittlung (auswendig lernen statt begreifen), das undemokratische Verhältnis der Geschlechter, Verletzung von Menschenrechten (vor allem Frauenrechten), intellektuelle Engstirnigkeit bei der Interpretation religiöser Texte .... Weil Bildung leider immer noch kein Wert an sich sei in vielen arabischen Staaten, wie die Autoren des UN-Berichts schreiben, sondern Ansehen "vor allem auf materiellem Reichtum basiere". Was taugt eine Religion, wenn sie die Menschen nicht wirklich befreit - von inneren Gefängnissen?
Lieben Gruß
Marie Wildermann
Journalistenbüro medienformate
Bitte lesen Sie den Beitrag Moderne Frauen tragen Kopftuch
Monika Berg, 20. Oktober 2003
Liebes Team des Qantara.de-Newsletters,
regelmäßig lese und stöbere ich in Ihrem Newsletter - bedingt vor allem durch meine Arbeit, aber auch, weil ich mich für viele Themen rund um die arabische Welt interessiere.
Der Newsletter ist übersichtlich, die einzelnen Beiträge und Links sind gut angetextet, und die Beiträge selber haben mir persönlich schon einige Anregungen geliefert: Sei es die Empfehlung einer Ausstellung, Buchkritiken etc. pp.
Ich kann nur sagen - weiter so!
Viele Grüße
Monika Berg
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Deutscher Bundestag
Büro Günter Gloser MdB
-europapolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion-
Lennart Lehmann, 18. August 2003
Zur Präsentation "Leben unter dem Halbmond - die arabische Wohnkultur" im Vitra-Design Museum Berlin
Angenommen, in Kairo gäbe es eine Ausstellung, die den Titel „Wohnkulturen in Europa“ trüge. Die Ausstellungsräume in einem Außenbezirk. Zu sehen gäbe es Bauernstuben, Schwarzwaldhäuser, Dirndl und Bierkrüge. Der Europäer würde wohl den Kopf schütteln und eine amüsierte Postkarte nach Hause schicken.
Die Ausstellung im Vitra-Design-Museum repräsentiert keinesfalls die zeitgenössische „Wohnkultur unter dem Halbmond von Syrien bis Marokko“, auch wenn dies ihr Anspruch ist. Zu sehen ist dort eher eine Sammlung von Artefakten aussterbender Wohn- und Lebensformen: Nomadenzelte, die berühmten jemenitischen Hochhäuser von Sanaa, irakische Schilf- und marokkanische Lehmhäuser. Beim Gang durch die Ausstellung soll der Besucher kennen lernen, wie so ein Familienverbund in seiner Wohnstätte organisiert ist und was für Alltagsgegenstände dort normal sind: Die kupferne Schnabelkanne, Brotstempel und andere Küchenutensilien, wie Vorrichtungen zum Rösten von Kaffeebohnen Zum Sitzen Teppiche und Kissen. Fotos und Videofilme veranschaulichen den Kontrast zwischen ausgeschmückten Innenräumen und schmuckloser Außenfassade.
Ja ja, die kulturelle Identität, seufzt der Museumsbesucher. Irgendwie wusste man das aber schon immer, wahrscheinlich aus den lustigen Illustrationen der Märchenbücher von 1001 Nacht. Den Blick ins Schlafzimmer der reichen Oberschicht hat leider wieder keiner geschafft. Raffinierter wird es bei den Schmink- und Waschutensilien der Damen. Aber man täusche sich nicht: Die heutige Bewohnerin der Kasbah benutzt wahrscheinlich keinen tönernen Lippenstift mehr, sondern kauft chinesische Produkte, den westlichen täuschend ähnlich. Kinder spielen nicht mehr mit Holzspielzeug, sondern mit blinkenden Plastikwaffen und Gummifußbällen. Warum an den Saiten der orientalischen Laute zupfen, wenn man einen Kassettenrekorder hat? Statt Abends um den handgeschnitzten Klapptisch zu sitzen und Tee aus kleinen Porzellanschalen zu schlürfen, versammelt sich der Clan heute lieber vor dem Fernseher, den man aber im Nomadenzelt des Design-Museums leider vergeblich sucht, wie auch die Satellitenantenne. Und nur wenige werden in den dokumentierten modernen Villen berühmter arabischer Architekten wohnen, die Tradition und Moderne zu vereinen suchen. Die meisten Menschen zwischen Syrien und Marokko hausen in mehrgeschossigen Betonbauten. Ihre Teppiche klopfen sie auf ihren Balkonen aus.
Mit freundlichen Grüßen
Lennart Lehmann
Hier finden Sie den entsprechenden Artikel auf Qantara.de
Heike Bingöl, 18. Juli 2003
Sehr geehrte Damen und Herren,
seit ein paar Monaten beziehe ich den Newsletter von Quantara und freue mich über so viel interessanten und wissenswerten Lesestoff bezüglich der islamischen Lebenskultur.
Ich selber bin Deutsche und vor mehr als 10 Jahren aus eigener Überzeugung dem Islam beigetreten. Was mich nun schon lange am islamischen Erscheinungsbild in Deutschland stört, sind die althergebrachten Vorurteile und hier insbesondere die Darstellung der islamischen Frau. In der Vorstellung der überwiegenden Bevölkerung wird die islamische Frau zumeist tief verschleiert oder doch dem Mann zumindest treu ergeben dargestellt.
Da ich selber in keiner Weise so bin, würde ich gerne dazu beitragen die Gleichstellung und auch das Erscheinungsbild muslimischer Frauen in Deutschland versuchen zu verändern. Aus diesem Grund bin ich einem Arbeitskreis beigetreten, der sich mit solchen Themen befasst und würde gerne Klagen oder Anregungen von Frauen entgegen nehmen, um diese zu verwerten und/oder politisch einzubringen.
Möglicherweise hat jemand Kontakt zu einem Personenkreis, der so wie ich an einer Modernisierung der weiblichen Islamkultur interessiert ist und Gleichstellungsfragen sowohl innerislamisch (also zwischen Mann und Frau) als auch zwischen den Religionen diskutieren möchte. Ich würde mich dann auf einen konstruktiven E-mail-Austausch freuen.
Zum Schluss nochmals alle Hochachtung für Ihren lehrreichen Lesestoff und besten Dank für Ihre Unterstützung.
Wenn Sie Frau Bingöl schreiben möchten, schicken Sie bitte eine E-mail an kontakt@qantara.de. Wir leiten Ihre Mail dann weiter.
Heike Bingöl, 17. Juli 2003
Sehr geehrter Herr Alphan,
recht herzlichen Dank für Ihren sehr informativen Beitrag zum europäischen Islam.
MfG
Heike Bingöl
Heike Bingöl, 16. Juli 2003
Die Idee eines französisch-muslimisch arabischen Senders in Fankreich finde ich sehr gut. Da ich mich für deutsch-türkische Integrationspolitik interessiere, frage ich mich, ob man solch einen Sender auch in Deutschland integrieren könnte.
Viele Dank jedenfalls für die lehrreiche Information
Heike Bingöl
Bitte lesen Sie hierzu den Beitrag "Fernsehen für alle!"
Der Grund warum ich mich heute an Sie wende ist Ihr Artikel über den Tag der offenen Moschee. Als ich ihn las, wurde mir sofort klar, dass wir diese Erfahrungen am Islamischen Zentrum Hamburg nicht teilen. Wir hatten kontinuierlich wachsendes Interesse und steigende Besucherzahlen. Noch im Jahr 2001 war der Tag der offenen Moschee sehr gut besucht und dies steigerte sich im Jahr 2002. Ich sende Ihnen heute unseren Bericht über den Tag der offenen Moschee am Islamischen Zentrum Hamburg/Imam Ali Moschee.
Dann ist mir aufgefallen, das in der arabischen Version des Artikels über den 3. Oktober ein Bild von unserer Moschee ins Internet gesetzt wurde, obwohl es bei diesem Artikel nicht um unsere Moschee geht. Zumal wir völlig andere Erfahrungen gemacht haben, wie ihr unter anderem aus dem Bericht entnehmen könnt, möchten wir Sie bitten, aus der arabischen Version dieses Artikels das Bild unserer Moschee wieder zu entfernen, um einen falschen, irreführenden Eindruck zu vermeiden.
Statt dessen wäre es vielleicht interessant, unseren Bericht abzudrucken als Beispiel für andere positive Erfahrungen. Dies wäre sicher aufschlussreich und es zeigt einmal mehr, dass wir nicht jede Erfahrung, weder die positiven noch die negativen verallgemeinern dürfen. Wir sind bereits seit einem Monat wieder dabei neue Vorbereitungen zu treffen für den diesjährigen 3.Oktober und sind voller Zuversicht. Hier ist der Bericht über den Tag der offenen Moschee 2002 im Islamischen Zentrum Hamburg in der Imam Ali Moschee.
Mit freundlichen Gruessen und den besten Wünschen für Ihre Arbeit
Zainab Hassani
Anmerkung der Redaktion: Wir kommen Ihren beiden Bitten selbstverständlich gerne nach. Das Bild ist bereits entfernt, und ein Klick auf den Pfeil führt zu Ihrem Bericht.