Reisen durch Jahrhunderte und Kontinente
Ob aus Abenteuerlust oder Wissensdrang – schon seit Jahrhunderten bereisen Menschen aus Europa den Orient und umgekehrt, um die jeweils andere Kultur kennen zu lernen.
Ob aus Abenteuerlust oder Wissensdrang – schon seit Jahrhunderten bereisen Menschen aus Europa den Orient und umgekehrt, um die jeweils andere Kultur kennen zu lernen.
Trotz der traditionell guten Beziehungen könnte das Reisen mit der Bahn zwischen Iran und Syrien kaum abenteuerlicher sein: 60 Stunden dauert die Fahrt von Teheran nach Aleppo in Nordsyrien. Eine Reportage von Manuela Römer
Seit fünf Jahren leitet Nouri Al Jarrah ein Forschungszentrum in Abu Dhabi: Er und seine Kollegen stöbern in Bibliotheken auf der ganzen Welt nach alten arabischen Reiseberichten und geben diese neu heraus. Mit ihm sprach Julia Gerlach.
Vor siebzig Jahren verband ein Luxuszug das heutige Istanbul mit dem Orient. Deutsche Ingenieure schufen die berühmte Bahnlinie, die auch von Agatha Christie häufig genutzt wurde. Nun reiste Klaus Hillenbrand von Istanbul nach Aleppo.
Im Herbst 2004 reiste die Kölner Schäl Sick Brass Band auf Einladung des Goethe-Instituts drei Wochen lang durch den Nahen und Mittleren Osten. Udo Moll, der Trompeter der Band, führte Tagebuch.
Cees Nooteboom, einer der renommiertesten europäischen Autoren, gilt allgemein als Kosmopolit. In seinem Reiseband "Der Laut seines Namens - Reisen durch die arabische Welt" outet er sich indessen als ein Schöngeist mit selektiv eingeengtem Blick. Von Ilja Braun
Als Pierre Loti goss der Franzose Julien Viaud den Zeitgeist des Orientalismus in literarische Form. Seine autobiographisch inspirierten Romane zeichnen das verklärte Bild eines "mysteriösen" Orients. Von Susan Javad
Der dänische Dichter Andersen, dessen Geburt vor 200 Jahren weltweit gefeiert wird, war für sein exzessives Reisen bekannt. Sein Fernweh führte ihn bis nach Marokko. Die Eindrücke des Dichters beschreibt Christian Hauck.
Unter den vielen arabischen Reisenden, die im 19. Jahrhundert Europa bereisten, sticht Ahmad Faris al-Shidyaq als schillernde Figur heraus. Der Schriftsteller und Journalist war ein brillanter Intellektueller und progressiver als die bekannteren Vordenker der arabischen Renaissance. Barbara Winckler stellt ihn vor.
Im 19. Jahrhundert wurden nicht nur Europäer vom Reisefieber gepackt, das sie in den Orient führte. Auch die Zahl derer, die in die Gegenrichtung, vom Orient nach Europa, reisten, stieg rapide an. Barbara Winckler über Rifa'a al-Tahtawis "Ein Muslim in Paris".
Vor allem Frauen aus Großbritannien begannen im 19. Jahrhundert den Orient für sich zu entdecken, wobei ihre Reisemotive recht vielfältig waren: Versnobte und anspruchsvolle Vertreterinnen des Establishment standen neben exzentrischen Abenteurerinnen. Andreas Pflitsch informiert
Schon als Kind konnte sich der deutsche Diplomat und Forscher Max Freiherr von Oppenheim für den Orient begeistern, wohin er bereits 1860 seine erste Reise unternahm. Oppenheims enzyklopädische Orient-Reiseberichte sind jetzt neu erschienen. Andreas Pflitsch über Leben und Werk des Reisenden vom Mittelmeer bis zum Persischen Golf.
Sie schrieb 1600 Briefe an die Eltern, verfasste Tagebücher und war eine begeisterte Fotografin: Getrude Bell. 1892 brach sie zu ihrer ersten Reise in den Orient auf. Als Beraterin von Winston Churchill und König Faisal I. im Irak machte sie sogar Politik. Andreas Pflitsch hat ihre Reiseerinnerungen gelesen.
Den Spuren vorislamischer Geschichte folgte der Gelehrte Julius Euting während seiner Reise durch Inner-Arabien in den Jahren 1883 und 1884. Um seine Eindrücke auch einem größeren Publikum zugänglich zu machen, führte er akribisch Tagebuch. Andreas Pflitsch hat sich durch die Neuauflage gearbeitet.
Der Orientalist und Schriftsteller Heinrich Freiherr von Maltzan war ein leidenschaftlicher Reisender. Um die orientalischen Kulturen kennen zu lernen, besuchte er auch Mekka, die heilige Stadt des Islam. Seine Beobachtungen sind nun erneut aufgelegt worden. Andreas Pflitsch stellt das zweibändige Werk vor.
Derb und weißhäutig, den Tieren ähnlich, von minderer Intelligenz - so sahen die Araber des Mittelalters die Bewohner Europas. Das Zentrum der Welt waren für sie die islamischen Länder. Mona Naggar stellt einige arabische Historiker und Geographen vor.