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Kommentar zum Streit um Moschee-Bau in Köln
Recht auf freie Religionsausübung



In Köln ist der Bau einer Moschee zu einer emotional geführten Debatte eskaliert. Wenn die Mehrheitsbevölkerung das Recht auf freie Religionsausübung behindert, dann trägt auch sie die Verantwortung für fehlende Integration, sagt Peter Philipp.

| Bild: Entwurf für die große Zentralmoschee in Köln; Foto: www.boehmarchitekten.de
Bild vergrössern Um der populistischen Mobilmachung gegen Muslime entgegenzuwirken, muss der Staat darauf achten, das Recht auf freie Religionsausübung zu garantieren.
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Muslime gab es damals in der Gegend keine, aber der pfälzische Kurfürst Karl Theodor hielt es für chic und ließ Ende des 18. Jahrhunderts im Garten seiner Sommerresidenz in Schwetzingen eine Moschee erbauen, die heute noch Anziehungspunkt für Touristen ist.

Für gar nicht "chic" halten es hingegen Bürger der Stadt Köln, dass in ihrer Stadt eine große Moschee gebaut werden soll. Obwohl in der Millionenstadt am Rhein rund 65.000 Türken leben und die Moschee in erster Linie für diese gedacht ist.

Köln reiht sich damit ein in die Gruppe von Städten wie Berlin und München, wo auch schon gegen den Bau muslimischer Gotteshäuser protestiert und demonstriert wurde. In Köln hat sich inzwischen aber eine Debatte entfacht, die weit über das übliche Maß hinausgeht:

Die Lokalpolitiker haben dem Bau längst zugestimmt, da begann die populistische Gruppe "Pro Köln", von einer "Verfremdung" des Stadtteils zu sprechen, in dem die Moschee entstehen soll. Und ausgerechnet der jüdische Publizist Ralph Giordano, sonst ein wortgewaltiger Kritiker von Fremdenfeindlichkeit, Intoleranz und Rassismus, machte sich zum prominentesten Kritiker des Baus:

Die Mehrheit der Bevölkerung sei dagegen, werde aber nicht gefragt und überhaupt: Die Integration sei doch gescheitert. Die Moschee werde die Integration auch nicht fördern – ebenso wenig wie der Anblick von verschleierten Frauen, die Giordano unfein als "menschliche Pinguine" bezeichnete.

Wenn schon ein gebildeter Mann wie Giordano so reagiert, wie tiefer müssen Aversion und Ablehnung bei den "einfachen Bürgern" sitzen, die immer noch nicht verstanden zu haben scheinen, dass es auch noch andere Religionsgemeinschaften gibt als die der christlichen Kirchen? Und dass diese inzwischen auch in Deutschland eine erkennbare Minderheit darstellen – mit allen Rechten, die ihnen der moderne Verfassungsstaat einräumt.

| Bild: Ralph Giordano; Foto: AP
Der Schriftsteller und Publizist Ralph Giordano
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Also auch dem Recht, seine Religion in einem angemessenen Gotteshaus zu pflegen und nicht mehr in dunkle Hinterhof-Gebetshäuser oder in Industrieviertel verbannt zu sein.

Der Bau einer Moschee hat nichts mit der Kopftuchdebatte zu tun oder der Frage, wie offen oder restriktiv Muslime mit ihren Frauen umgehen. Wer das eine mit dem anderen vermengt, der sucht nur einfach gängige Klischees, weil sich das besser verkaufen lässt als reine Ablehnung.

Nicht minder absurd ist wohl auch die Begründung, die Bevölkerung sei nicht gefragt worden. Denn nicht der Staat baut in Deutschland Gotteshäuser, sondern die religiösen Gemeinden – und die haben ein Recht dazu. Natürlich sind die üblichen baulichen Genehmigungen nötig, die Bevölkerung aber wird auch bei katholischen oder protestantischen Kirchen nicht gefragt.

Das ist Teil der Religionsfreiheit in Deutschland. Wer diese Freiheit durch Abstimmungen einschränken und reduzieren will, der erweist der Demokratie einen Bärendienst. Und wer dies auch noch mit diffamierenden Äußerungen verbindet, der bewegt sich auf Stammtisch-Niveau.

Dem nimmt man auch nicht die Kritik an mangelnder Integration von Einwanderern ab. Zur Integration gehören zwei: Der Einwanderer und die Mehrheitsgesellschaft. Verwehrt diese das Recht auf freie Religionsausübung, dann trägt auch sie die Verantwortung für fehlende Integration.

Peter Philipp

© DEUTSCHE WELLE 2007



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