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Kommentar zur Gründung des Zentralrates der Ex-Muslime
Gute Konvertiten, schlechte Konvertiten



So sehr das Recht auf Lossagung von einer Religionsgemeinschaft geschützt werden muss – als organisierte Aktion wird es zum Politikum und fördert weder Dialog noch Koexistenz, meint Peter Philipp in seinem Kommentar.

| Bild: Logo 'Zentralrat der Ex-Muslime'
Bild vergrössern Austritt aus der islamischen Religionsgemeinschaft als aufwändig inszeniertes Medienspektakel: der Zentralrat der Ex-Muslime
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Das Medieninteresse war so groß wie lange nicht, wenn es um das Thema "Islam" oder "Muslime" ging. Aber eigentlich ging es ja nicht mehr um "Muslime", sondern um "Ex-Muslime": "Wir haben abgeschworen!" verkündeten diese auf einer Pressekonferenz, und sie hatten sich – in guter deutscher Manier – bereits zusammengeschlossen zum neuen "Zentralrat der Ex-Muslime e.V."

Damit nicht genug: Sie griffen die deutsche Politik an, die in "grenzenloser Naivität" den Dialog mit muslimischen Verbänden suche, dabei aber doch nur radikale Organisationen hofiere, denen die Werte der Demokratie in Deutschland herzlich wenig wert seien.

Unter anderem ein Hieb auf die "Islamkonferenz", die Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble vergangenen Herbst ins Leben gerufen hatte. Der neue Verband kündigte deswegen auch gleich an, er wolle selbst eine "kritische Islamkonferenz" einberufen, die sich mit dem Islam und dessen Verhältnis zum Staat auseinandersetzen wolle.

| Bild: Arzu Toker; Foto: © ZdE
Bild vergrössern Die Journalistin Arzu Toker ist Gründungsmitglied des neuen
Zentralrats der Ex-Muslime
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Das war er wohl – der Grund für das große Medieninteresse: Muslime, die sich von ihrer Religion lossagen und diese offen kritisieren. Ein gefundenes Fressen für alle, die das immer schon gesagt hatten: Islam und Demokratie vertragen sich nicht.

Muslime, die sich – in Deutschland und anderswo – von ihrer Religion abkehren, hat es immer schon gegeben und wird es auch weiterhin geben. So wie es Katholiken, Protestanten oder auch Juden gibt, die für sich einen solchen Strich ziehen.

Für sich, wohlgemerkt. Denn die Abkehr von der Religion sollte ebenso Privatsache sein wie die Zugehörigkeit zu ihr. Wer daraus politisches Kapital schlägt oder anderen dazu verhilft, der ist nicht viel besser als die, von denen er sich lossagt.

In einer freiheitlichen Demokratie wie der in Deutschland ist die Trennung von Religion und Politik eine unbestrittene Grundregel. Und es geht niemanden etwas an, wer welcher Religion angehört, wer sich von einer Religion loslöst oder zu einer anderen wechselt.

So zumindest sagt es das Gesetz und sagt es die Theorie. Die Wirklichkeit sieht manchmal aber durchaus anders aus. So erklärte Bundesinnenminister Schäuble kürzlich in einem Interview, er betrachte mit Sorge die wachsende Zahl von Übertritten zum Islam in Deutschland.

Derselbe Minister, der sich im Rahmen der "Islamkonferenz" für Dialog und Verständigung mit den Muslimen einsetzt, warnte vor Radikalität durch Islam-Konvertiten.



Und auch aus Kreisen regionaler Ämter für Verfassungsschutz, selbst aus den Reihen der "Gewerkschaft der Polizei" (GdP) waren ähnliche Warnungen zu hören. Ohne dass auch nur einer hätte belegen können, dass der Prozentsatz gewaltbereiter und gefährlicher Personen besonders hoch wäre unter Leuten, die zum Islam übertreten.

Ein Generalverdacht, wie er im Buche steht. Und eine pauschale Verdächtigung von Personen auf Grund ihrer Religionszugehörigkeit. Obwohl man doch tagtäglich versichert, genau das nicht tun zu wollen.

Das große Interesse und die wohlwollende Zustimmung zum neuen "Zentralrat der Ex-Muslime" gehört in dieselbe Kategorie, nur sind es hier offenbar die "guten" Konvertiten – die sich vom Islam abwenden und diese Religion kritisieren.

So berechtigt die Kritik jedes einzelnen dieser Leute auch sein dürfte und so sehr sein Recht auf Lossagung von der Religion geschützt sein muss: Als organisierte Aktion wird sie zum Politikum und fördert weder Dialog noch Koexistenz.

Peter Philipp

© Qantara.de 2007



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